3. EON Mitte Kassel Marathon 2009
oder
Ein Marathon mit zwei Gesichtern...
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Das Projekt Kassel-Marathon 2009 begann Mitte März mit der Zusage von „Running Pur“ für die Teilnahme in Kassel am 10.Mai 2009. Vielen Dank dafür, aber ab da hieß es für mich das eher sporadische Grundlagentraining in eine noch ausreichende Marathonvorbereitung umzuwandeln. Da Kassel ja nun bekanntlich nicht als topfeben zu bezeichnen ist, musste ich neben Tempo- und Langen Läufen auch irgendwie ein hügeliges Terrain in meine Planungen übernehmen, was für einen Hamburger nicht immer ganz einfach ist.
Dennoch ist es mir in der verbleibenden Zeit gelungen mich auf die anspruchsvolle Strecke vorzubereiten und konnte auch die eine oder andere Trainingseinheit nutzen meine körperliche Fitness in einem Hitzelauf zu erproben. In den vergangenen Jahren war es zum Kassel-Marathon immer besonders warm und sonnig... Die Veranstalter haben in diesem Jahr ihre Schlüsse aus den Temperaturen der Vergangenheit gezogen und das durchweg gelungene Event um vier Wochen nach vorne verschoben. Ein glückliches Händchen haben sie dabei erneut bewiesen: Es war ein Wetter vom Feinsten mit herrlichem Sonnenschein und frühsommerlichen Temperaturen oberhalb der 20° C-Marke (zumindest in der Sonne). |
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Ich machte mich bereits am Samstag mit meinem kleinen Wohnmobil auf den Weg in den Süden und traf am gegen Mittag am Messegelände in Kassel ein. Dort waren eifrige Helfer emsig am Arbeiten um die Grundlagen für ein Lauf-Spektakel zu schaffen. Ganz Kassel soll hier schon seit Tagen in einen Marathon-Hype verfallen sein und ich kann es schon vorweg nehmen: Das Kasselaner Publikum war an den strategisch wichtigen Punkten nahezu euphorisch dabei uns Läufer anzufeuern und neue Kraft zu schenken. Ein großes „Danke schön“ sei an dieser Stelle angebracht.
Die Marathon-Messe war trotz einiger Anbieter mit guter Auswahl an Running-Artikeln recht übersichtlich, so dass die Startunterlagen-Ausgabe sofort zu finden war. Mit super netten Worten bin ich freundlich empfangen worden, ohne Stress und Hektik ging hier alles hervorragend organisiert über die Bühne. Am offiziellen Stand der Kassel-Marathon-Merchandising-Artikel habe ich mich noch mit einem Finisher-Shirt und einem Funktionsshirt eingedeckt, so dass auch mein Outfit passend zum Event sein konnte. Am Informationsstand erhielt ich noch wichtige Tipps zum Thema Parken und Übernachten sowie zur möglichen morgigen Anfahrt zum Start. Bis hierhin muss ich sagen: Hut ab vor dieser tollen Organisation und Danke für die überaus freundliche Fürsorge.
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Am Nachmittag bis frühen Abend des Samstages fand noch ein sehr gut besuchtes Mini-Marathonrennen für die jüngeren Lauffans über 4,2 km statt und die immer beliebte Pasta Party wurde in den Messehallen zelebriert. Ich zog mich danach in mein WoMo zurück und bereitete mich „mental“ auf das morgige Rennen vor.
Die Nacht verlief alles andere als ruhig: Ein böser Wolkenguss schien die Veranstaltung ins sprichwörtliche Wasser fallen zu lassen... Aber am Marathontag gab es bereits am frühen Morgen einen klaren blauen Himmel mit strahlendem Sonnenschein und bis hierhin angenehmen Temperaturen zu verzeichnen. Nur die Skater, die sich so langsam auf ihren Start zum Halbmarathon rüsteten, schauten nicht besonders glücklich ob der anfangs sehr nassen Strecke...
Nach dem üblichen Ritual der direkten Marathonvorbereitung (Pflaster, Vaseline usw.) machte ich mich auf den Weg in die Startzone. Ich war überwältigt vom großen Starterfeld, das sich entlang der Startzone auf den Countdown vorbereitete. Es starteten hier gleichzeitig die Marathonis mit den Halbmarathonis und den Staffelläufern. Eine Konstellation, die mir seit dem vergangen Jahr beim Luxemburg-Marathon in böser Erinnerung geblieben ist. Aber hier in Kassel lief alles in ruhigen Bahnen ab, der eine oder andere Rempler, aber keine bösen Überraschungen rücksichtsloser „Sportler“.
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Ich fand schnell mein Tempo so um die 5:30 min/km und genoss die ersten Kilometer. Das große Feld zog sich auseinander, die Zuschauer bereiteten sich auf ihre Party vor und die Sonne stieg unerbittlich höher. Von Kilometer zu Kilometer wurde es wärmer, der Schatten wurde bereits hier gerne gesucht. Ich beschloss die erste dieser zwei Runden recht gelassen anzugehen, mich auf das tolle Publikum einzulassen und ein paar Fotos zu schießen.
Wir durchliefen zunächst das leicht wellige Wohngebiet Waldau mit ihren fröhlich anfeuernden Anwohnern und passierten danach Bettenhausen und das Wesertor. Bei einigen Abschnitten waren wir Läufer unter uns, breite Straßen und null Stimmung, eine Straßenecke weiter das tobende Leben. Da gab es jede Menge Musik, live von der Kapelle, dem Spielmannszug oder der Sambaband. Eine tolle rhythmische Unterstützung. Sogar für’s Auge wurde etwas geboten. Ich zählte mindestens drei Cheerleader-Crews, die tänzerisch und akrobatisch die Stimmung anheizten und uns Läufern Mut machten.
Die Stimmung unter den Läufern war auf dieser ersten Runde wirklich gut. Eine große Schar sportbegeisterter Athleten, die miteinander durch Kassel liefen. Nicht immer war die Strecke aber wirklich schön. Nicht nur, dass es irgendwann stetig bergauf ging, auch die Strecke an sich bot zuweilen keine besonderen visuellen Highlights. Das änderte sich zwar zum Ende der Runde als es durch die City, an den Sehenswürdigkeiten der Stadt und wichtigen Gebäude und Parks entlang ging bis zur ewig lang erscheinenden Fulda-Aue. Aber es gibt ja das Kasselaner Publikum, das für den entsprechenden Ausgleich sorgte.
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Richtig Gänsehautfeeling kam dann erst wieder im Zielbereich auf. Menschenmassen an den Banden und den Tribünen feuerten jeden an, der hier ankam bzw. wie ich vorbeilief um die zweite Runde zu absolvieren. Wir Marathonis bogen also ein paar Meter vor der Ziellinie nach links ab und läuteten unsere zweite Runde ein. Ab hier kam das zweite Gesicht des Kassel-Marathons:
Es war von jetzt auf gleich still und leer.
Ich empfand diesen Wechsel als durchaus positiv. Nach soviel Trubel konnte ich mich ein wenig auf mich selber konzentrieren und auch tolle Gespräche mit anderen Marathonis führen. Gut 700 Läufer waren es noch, die die zweite Runde absolvierten, dazu noch die verbleibenden Staffelläufer. Die Zuschauer am Rand bemühten sich wirklich, aber es kam bei weitem nicht mehr die Party der ersten Runde rüber. Musste es auch nicht. An den markanten und wichtigen Stellen, an den Anstiegen, Sehenswürdigkeiten und den wirklich toll organisierten Verpflegungspunkten (etwa alle 2,5 km mit Wasser dann wieder nach 2,5km auch Wasser, Elektrolytgetränken und Verpflegung in Form von Bananen – bravo !!!) erhielten wir eine tolle Unterstützung, ansonsten hatten viele der Läufer (mich eingeschlossen) mit sich, der Topographie Kassels und der gnadenlos steigenden Sonne samt Wärme zu tun.
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Ein Glück, dass es in Richtung Ziel nur noch bergab ging und dann im Schatten flach zum Finish führte. Ich rechnete meine Zielzeit hoch, bemerkte, dass ich locker unter vier Stunden ankommen würde und fixierte mich auf die 3:56:xx Stunden:
Mit der langen Zielkurve kam wieder die Gänsehaut. Euphorisch-frenetisch wurde ich durch den überwältigenden Zuspruch ins Ziel getragen. Ich hörte meinen Namen, dazu tolle Musik aus den Lautsprechern und den großartigen Jubel. Geschafft, ich riss die Arme hoch: „Danke schön Kassel !“
Im Zielbereich war es wieder wie gewohnt: Top Organisation, sowohl bei der Medaillenübergabe, den Getränken, dem Obst, der Kleiderbeutelausgabe oder dem Urkundendruck. Und außerdem war für alle Fälle immer ein Sanitäter in Blickweite. Klasse Kassel.
Wenn im kommenden Jahr tatsächlich die Planung in die Tat umgesetzt wird, dass es für den Marathon einen (!) Rundkurs gibt, dann werde ich bestimmt den Termin im Kalender vermerken. Ein wirklich gelungenes Event mit einer anspruchsvollen aber nicht immer attraktiven Strecke und vorbildlichen Zuschauern. Ich bin glücklich wieder nach Hause gefahren.
Vielen Dank für’s Lesen, Karsten Pöhlmann
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