8. Volksbank Münster-Marathon am 13. Sept. 2009
oder
Ein Marathon mit ganz viel Herz, jeder Menge Licht und einem Hauch Schatten...
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Der Münster-Marathon verlief unter idealen Bedingungen. Bedeckter Himmel, sporadisch einsetzender Nieselregen und eine abwechselungsreiche tolle Strecke durch Stadt und Umland. So verwundert es auch gar nicht, dass die Streckenrekorde bei den Männer und den Frauen deutlich gebrochen wurden. Auch bei mir persönlich sollte sich im Nachhinein betrachtet ein perfekter Lauf abzeichnen...
Aber mal von Beginn an:
Ich reiste bereits am Samstagnachmittag an. Nach gut 300km und viereinhalb Stunden Fahrt aus Hamburg über die A1 voller Baustellen und Stau erreichte ich mein Ziel dennoch wohl gestimmt und voller Vorfreude. Ich parkte mein kleines Wohnmobil auf dem Großparkplatz vor dem Münsteraner Schloss und vergab sofort ein Pluspunkt: Ich parkte unmittelbar vor der morgigen Startlinie und durfte hier sogar noch übernachten. Klasse !!! Schon jetzt war klar: Das wird ein gutes Wochenende.
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Ich ging daraufhin ein paar hundert Meter in Richtung Gymnasium Paulinum, in dem das Organisationszentrum samt Messe, Startunterlagenausgabe, Nudelparty und After-Marathon-Betreuung (Urkunden, Duschen usw.) untergebracht war.
Liebevoll wurde ich von dem Helferteam in Empfang genommen, man spürte regelrecht, dass dieses Event den Münsteraner am Herzen liegt. Ich nahm also meinen Startbeutel entgegen und schlenderte noch über die kleine aber sehr feine Messe, welche sowohl in der Sporthalle als auch in der Aula Platz für diverse Sportartikel- und Nahrungsmittelergänzungsanbieter bot. Ich wurde sogar hier und da fündig.
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Bereits auf der offiziellen Webseite des 8. Volksbank Münster-Marathon bin ich auf die diesjährige Charity-Aktion aufmerksam worden. Es handelt sich hierbei um die „José Carreras Stiftung“, die ihr Engagement ganz der unterstützenden Hilfe bei Leukämieerkrankung sowie der Forschung auf diesem Gebiet ausgerichtet hat.
Da ich schon seit langem selber in der Deutschen Knochenmark Spenderkartei (DKMS) eingetragen bin, war es für mich selbstverständlich auch hier weiter zu unterstützen und erwarb mit einer Spende ein hochwertiges Funktionsshirt. Ich lief somit also wie viele andere Marathonis auch mit viel Herz für einen wirklich guten Zweck.
Vielen Dank an dieser Stelle an „running-pur“, mich für dieses Event als Testläufer ausgewählt zu haben.
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Nach all den Formalitäten schlenderte ich noch ein wenig durch Münster, der Stadt also, die bekannt für gute Fernsehkrimis ist. Neben dem Tatort der ARD ist hier in Münster in erster Linie Detektiv Wilsberg zu nennen, der in charmanter Weise seine Fälle löst.
Ich machte mich also auf die Suche nach dem original Drehschauplatz und entdeckte tatsächlich DAS Antiquariat. Wirklich genau wie im Fernsehen... Ich lernte sogar den Inhaber Michael Solder, selber begeisterter Marathonläufer, kennen und wir wechselten ein paar nette Worte.
Dass wir uns am folgenden Tag an gleicher Stelle wieder treffen würden ahnte hier wohl keiner. Eine tolle Begegnung.
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Ich verzeichnete mir also weitere Pluspunkte für den Münster-Marathon, der schon jetzt nicht mehr an Ansehen verlieren konnte. Nach einer abendlichen Pizza machte ich mich zwecks Erholung in die Waagerechte im Wohnmobil.
Nach herrlichen neun Stunden Schlaf erwachte ich am Marathonmorgen. Links und rechts von mir übernachteten ebenfalls Marathonis aus den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands und Europas.
Der Himmel war bedeckt, es war noch recht feucht und kühl. Ich begann den Tag mit einer Tasse Kaffee, dem üblichen Vor-Marathon-Frühstück und startete das typische Marathon-Ritual wie Startnummer fixieren, Brustwarzen abkleben, Vaseline auftragen usw.
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Rechtzeitig – also nicht zu früh zum Auskühlen und nicht
zu spät um in Hektik zu geraten – machte ich mich auf den kurzen Weg zur
Startlinie. Vorgesehen war dort eine Einteilung nach Zielzeiten, die durch
Farbpunkte auf der Startnummer gekennzeichnet wurde.
Na, mir war es relativ Wurst, dass in meinem Block sämtliche Farben vertreten waren und sich auch Marathon-Neulinge dort einfanden. Ich stand zwar zwischen den 3:45 Std. Pacer und dem 4:00 Std. Brems- und Zugläufer, ich wollte aber ganz ruhig angehen und viele Fotos unterwegs machen, somit die im Vorfeld hoch gelobte Stimmung auffangen. |
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Pünktlich um 9.00 Uhr erfolgte der Start. Das Feld setzte sich locker in Bewegung und nach knapp einer Minute überlief – nein überging – nein, äääh... stand ich auf der roten Matte des Zeitnahmesystems (MikaTiming - ChampionChip)... Das Feld kam nicht richtig in die Puschen. Was soll’s, ich wollte es ja eh locker angehen. Die Strecke führte uns zunächst wieder am Gymnsium Paulinum vorbei und steuerte das Feld dann ohne größere Umwege in die traumhaft schöne Altstadt von Münster. Schon hier bekam man nach knapp einem gelaufenen Kilometer einen Eindruck, wie anfeuerungsstark das Münsteraner Publikum sein kann, Cheerleader und Showbühnen trugen zur Stimmung bei. Wie soll das erst beim Zieleinlauf am Prinzipalmarkt werden ? Ich hatte jetzt schon große Vorfreude.
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Trotz dem, dass es mit so einigen Schleifen die ersten Kilometer durch den historischen Stadtkern ging, machte das befürchtete Kopfsteinpflaster hier in Münster kaum Probleme. Die meiste Zeit wurde sowieso auf Asphalt gelaufen und das Feld, bzw. die Läufer um mich herum benahmen sich diszipliniert.
Das Laufen bereitete mir hier eine wahre Freude. Diese wurde noch verstärkt als wir das bereits erwähnte Antiquariat Solder („Wilsberg“) passierten. Natürlich machte ich hier einen Fotostop und wurde freudestrahlend von Michael wieder erkannt und abgeklatscht. Er wünschte mir einen guten Lauf - Klasse wenn sich jemand an einen erinnert, der tags zuvor im Laden stand :o)
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Die Läufer um mich herum müssen mich für einen verrückten Vogel gehalten haben. Immer wieder hielt ich an um Emotionen von der Strecke in Form von Fotos festzuhalten. Tolle Alleen und sehenswürdige Promenaden lagen genauso auf der Strecke wie Straßen, die mit dem Autoverkehr geteilt werden mussten.
Dies hielt sich aber in Grenzen, war wunderbar geregelt und alles in allem hervorragend für den reibungslosen Ablauf eines Marathon nach den internationalen Bestimmungen abgesperrt. Nach gut 12km ging es nach der Umrundung des Aasees durch die Randbezirke aufs Land. Es begann der ruhigere Teil des Laufes.
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Das Läuferfeld zog sich deutlich in die Länge, Landwirtschaft und Natur war unser Begleiter. Viele Grüppchen unterhielten sich, auch ich fand die Eine oder den Anderen für einen kurzen Plausch. „Mensch, Du hast ja die Ruhe weg!“ wurde mir lächelnd plötzlich zugerufen, als ich mal wieder einen kurzen Fotostop einlegte.
Es kam zu einer Begegnung, die meinen Lauf verändern sollte: Zwei nette und gut aussehende junge Damen waren es, die mich mit dem Satz zu einem kurzen Gespräch einluden. Ich klärte auf, dass ich ohne bestimmtes Zeitziel unterwegs bin und einfach den Lauf genießen möchte, die Erfahrungen dann in diesen Bericht einfließen lassen würde. „Wow – die Zeit ist Dir egal ? Das ist ja mal so gar nicht typisch Mann...“.
Dieser Satz klingelte auch Kilometer später noch lange in meinen Ohren.
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Ich überlief die Halbmarathon-Markierung nach 2:04:20 Std. Es setzte leicht ein zu nieseln, ich mag das. Plötzlich packte mich der wohl gemeinte männliche Ehrgeiz und ich rechnete hoch... So ein Halbmarathon in 1:55 sollte eigentlich noch drin sein, das habe ich im Training ja schon hundertmal gemacht...
Was nun passierte war klar. Ich hörte in meinen Körper, die Beine fühlten sich gut an, der Puls war wunderbar, die Rahmenbedingungen passten ja eh... Ich begann das Tempo sukzessive zu steigern und von nun an nur noch zu überholen. Sonst waren es die Staffelläufer (man sprach unterwegs von rund 800 bis 900 Staffeln á vier Läufern), die das Feld von hinten aufrollten, jetzt kam auch noch ich...
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Wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch einiges an Vororten Münsters und asphaltierten Überlandwegen vor uns. Immer wieder lieb gemeinte Anfeuerungen der Anwohner und alle 2,5 km Wasser bzw. Getränke und Verpflegung. Ein ganz dickes „Danke schön“ an all die lieben ehrenamtlichen Helfer, die mit Tat und aufmunterndem Lächeln für uns da waren.
Gewünscht hätte ich mir hier allerdings, dass meine lieben Mitläufer die Bananen- und Orangenschalen nicht einfach auf die Straße fallen lassen. Die Verletzungsgefahr ist hier doch sehr erheblich. Vielleicht sollte man hier auf die Erfahrung anderer Marathon-Events zurückgreifen und bereit geschälte Bananenstückchen verteilen.
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Ich hielt mein Tempo hoch und gewann Sekunde um Sekunde. Mir war nun klar, dass ich diesen Marathon zum Einen finishen werde und dass ich die 4-Stunden-Marke doch noch knacken kann. Meine Uhr gab mir Recht.
Die Kilometer flogen nur so an mir und meinen momentanen Mitstreitern vorbei und wir kamen wieder in die Stadt Münster.
Hier traute ich meinen Augen nicht, was für eine tolle Idee: Bei Kilometer 41 gab es Rosen für die Läufer! Mit diesen Blumen durften wir uns bei dem enthusiastisch anfeuernden Publikum bedanken. Ich sah viele Zuschauerinnen, die bereits mehrfach von Läufern bedacht wurden und ich dachte an meine Frau.
Ich behielt die Rose bis zum Ziel in der Hand und brachte sie als Dankeschön für ein tolles Laufwochenende mit nach Hause. Vielen Dank dem Sponsor für diesen eindrucksvollen Einfall.
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Noch ein Kilometer, es ging wieder in die City, es wurde laut, Gänsehaut-Feeling kam auf, ich nahm den Rhythmus der Musik auf und erfreute mich an der toll geschmückten Innenstadt. Ein Blick auf die Uhr bei Kilometer Zweiundvierzig verriet 3:58 Std. – irre.
Noch 200m und ich stoppte kurz vor dem Ziel – Fotopause. Die Zuschauer hielten mich vollends für bekloppt. Ich nahm die Beine unter die Hand, riss die Arme hoch und sprintete jubelnd ins Ziel nach 3:59:33 Std. Geschafft und ich war mächtig stolz auf mich... Ein toller Lauf.
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Die Nachmarathonerlebnisse waren hingegen eher unglücklich. Der Regen wurde stärker, Wind kam auf. Es waren im engen Zielbereich sehr viele Menschen, es war kaum möglich sich frei zu bewegen. Nach dem Zieleinlauf war von jetzt auf gleich Stillstand.
Dennoch: Ich freute mich über die hübsche Medaille und genoss den einen oder anderen Softdrink. Leider war die vorbestellte Größe des Finisher-Shirts bereits vergriffen, sorry – das sollte eigentlich nicht passieren.
So schön der Zieleinlauf mit all seinem Flair und Charme auf dem Prinzipalmarkt an der Lambertikirche auch ist, der Fußweg zur Dusche und den trockenen warmen Klamotten im Gymnasium Paulinum war für die Wetterverhältnisse zu lang.
Für das Wetter kann aber keiner etwas und so bleibt als Fazit:
Ein toller Marathon mit ganz viel Herz und idealen Bedingungen.
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