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Ein Lauf mit Höhen
und Tiefen...
Es war ein tolles verlängertes Wochenende. Eine
sowohl sportliche als auch familiäre Abwechselung zum Alltag. Ein
herzliches "Danke schön" an die Redaktion von Running-Pur, mich als
Testläufer ausgewählt und zum diesjährigen Luxemburg-Marathon geschickt
zu haben.
Mit dieser Zusage begann bei mir bereits ein
planerisches Umdenken. Wie bitte läuft man zwei Marathon innerhalb einer
Woche, wenn man aus beiden Veranstaltungen als glücklicher Finisher mit
persönlich akzeptabler Zielzeit herauskommen möchte ?
Ein ganz einfacher Kompromiss: den
Hamburg-Marathon eine Woche zuvor genießen und locker angehen, dann gut
regenerieren und schließlich dem Luxemburg-Marathon den nötigen Respekt
entgegen bringen, locker starten, sich an der Stadt, den vielen, vielen
euphorischen Zuschauern und den Samba-Bands erfreuen, schließlich dem
inneren Schweinehund Paroli bieten und die Ziellinie jubelnd überlaufen.
So war der Plan, so sollte es laufen... Bereits
beim ersten Teil dieses Vorhabens spürte ich mein doch noch
erfolgreiches Training und genoss den Hamburg-Marathon. Mit locker unter
vier Stunden Zielzeit war ich zufrieden, hatte keinen erwähnenswerten
Muskelkater und bereitete mich regenerativ und mit einem feinen
Tempoläufchen unter der Woche auf das Projekt "Lux08" vor.
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Der Termin für
dieses Projekt hätte besser nicht sein können. Ein "Night-Run" am
Samstagabend, zuvor zwei freie Tage bedingt durch Himmelfahrt. Beste
Voraussetzungen also für einen Kurzurlaub mit Frau & Kind. Am Abend des
Vatertages ging es also mit der Familie im kleinen Wohnmobil Richtung
Süden. In zwei Etappen und einer Übernachtung schafften wir die gut 700
km von Hamburg aus in das Großherzogtum im Herzen Europas. Die frühe
Anreise verschaffte uns einen recht entspannten Eindruck von der Stadt
und vor allem von den organisatorischen Gegebenheiten und ihren
Örtlichkeiten.
Ein paar Tage zuvor kam per Post eine
Informationsbroschüre (im Übrigen auch auf der offiziellen Webseite als
pdf-File abrufbar) mit allen notwendigen Informationen. Dieses "Runner's
Handbook" hielt all seine Versprechen und beantwortete bereits nahezu
alle Fragen im Vorwege des Events. Schon hier haben die Veranstalter
eine sehr gute Arbeit geleistet.
Die Organisatoren werben damit einen Marathon der
kurzen Wegen zu feiern und das war auch so (abgesehen von den zu
laufenden 42,195 km natürlich...)
Das Zentrum dieses Marathon-Events befand sich
wie in den vorangegangen zwei Jahren auf dem Gelände des Sport- und
Kulturzentrums. In der so genannten "Coque" befand sich als zentraler
Ort die Startnummernausgabe, eine kleine Lauf- und Marathonmesse und am
Marathontag selber die Kleiderbeutelabgabe.
Und ganz wichtig: Der Zieleinlauf.
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Der Start sollte auf der Avenue J.F Kennedy vor
der Coque erfolgen, ein Zelt mit der obligatorischen Pasta-Party befand
sich auf der anderen Seite der Festhalle. Also tatsächlich alles in
einem überschaubaren Rahmen. Dazu noch die charmante Gelassenheit der
Luxemburger und die Organisation war perfekt.
Na ja fast
J
Wir erreichten also
gegen Freitagnachmittag das sehr gut ausgeschilderte Messezentrum auf
dem Kirchberg und waren froh einen kostengünstigen Parkplatz in
absoluter Nähe zur Coque bekommen zu haben. Ein beeindruckendes
Stadtviertel, das vor allem durch seine Banken und Finanzgebäude auf
sich aufmerksam macht. Parkplätze gibt es zwar "en masse", für die aber
wochentags unbedingt ein Parkschein gelöst werden sollte.
Wir schlenderten bei bestem Wetter über das
Marathongelände und besuchten schließlich die Messe in der Coque. Nun
gut - Messe sei hier vielleicht nicht der geeignete Ausdruck, da war ich
aus Hamburg, Berlin und Köln etwas anderes gewöhnt. Aber ein paar nette
Stände mit Anbietern von Laufutensilien wie Bekleidung oder
Nahrungsergänzungsmitteln reihten sich zu den Ständen der Sponsoren und
diversen Marathonveranstaltern aus aller Welt.
Die Startnummernausgabe war ebenfalls nicht zu
verfehlen, gleich daneben der Trouble Desk. Da es etwas Verwirrung bei
der Anmeldung mit meinem eigenen ChampionChip gab, hatte ich das
Vergnügen an beiden Ständen die absolut freundliche Gelassenheit und
charmante Betreuung der Marathon-Crew erleben zu dürfen. Genauso
liebevoll war die Übergabe des Finisher-Shirts ein paar Stände weiter.
Ach so - das Problem mit dem Chip ließ sich mit einem augenzwinkerndem
Lächeln und einem Mausklick in Luft auflösen, so macht das Einchecken
spaß...
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Mein Sohn konnte auf
dieser Messe in einer extra für den kleinen Anhang aufgebauten Hüpfburg
seine Sprungqualitäten zeigen und schlug auch danach bei der Pasta-Party
im Zelt kräftig zu. Mit der Startnummer erhielt ich Gutscheine für zwei
Getränke und eine Portion Nudeln, eine sehr willkommene kulinarische
Stärkung.
Obgleich durch die eine oder andere Finesse die
Organisation als wirklich sehr gut zu bezeichnen ist, so wundere ich
mich jedoch darüber, dass der Marathon doch sehr wenig bis gar nicht
vermarktet ist. Wer also vermutet auf der Messe noch das ein oder andere
Erinnerungsstück neben dem vorbestelltem und sehr hübsch kreierten
Finisher-Shirt zu erwerben, mag vielleicht etwas enttäuscht sein, kann
dann aber vorlieb an den Werbegeschenken des Hauptsponsors nehmen. Ich
meldete mich bei einem weiteren Stand eines Mitsponsoren (LuxAir) und
bekam für meine Registrierung ein Funktionslaufshirt mit Werbeaufdruck.
Na bitte, mein Outfit war also geklärt, vielleicht gewinne ich ja auch
noch eine Flugreise...
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Wir verließen die Messe und schauten nach einer
geeigneten Parkmöglichkeit für das Wohnmobil in Start- und Zielnähe.
Natürlich hätten wir auch auf einen der vier P+R Großparkplätze
ausweichen können und dann den hervorragend organisierten
Bus-Shuttle-Service nutzen können, aber ich bin da immer etwas eigen...
Der kostenlose Shuttle Service für die
Teilnehmer, Begleiter und Zuschauer ist wahrlich als Vorbild für andere
Marathon-Großveranstaltungen hervorzuheben. Nicht nur, dass die Läufer &
Co von den Parkplätzen am Rande der City im 10-Minutentakt zum
Veranstaltungszentrum chauffiert werden, nein auch Zuschauer wie meine
Frau und mein Sohn wurden so samt Karre zu den markanten Punkten der
Laufstrecke kutschiert. An einer moralischen Betreuung während des Laufs
sollte es nun wirklich nicht mehr fehlen.
Nach einer
entspannten Übernachtung auf einem Campingplatz außerhalb der Stadt
(Tipp: ganz klare Marktlücke in Luxemburg...) fuhren wir am
Veranstaltungstag rechtzeitig zum Marathonzentrum und belegten den tags
zuvor ausgespähten Parkplatz in einer Wohnsiedlung auf dem Kirchberg.
Was aber soll man einen lieben langen Tag über tun, wenn der Start erst
um 18.00 Uhr ist ?
Mittagessen und Schlafen... Sofern es geht.
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Die Sonne brannte
den ganz Tag, der Himmel war verführerisch blau, ein herrlicher
Frühsommertag bei Temperaturen um die 22° C im Schatten. Meine Familie
hatte sich bereits mit einem der Shuttle-Busse auf den Weg in die
Innenstadt von Luxemburg gemacht, zuvor hatten wir mögliche Treffpunkte
vereinbart. Gegen 16.00 Uhr und recht gut ausgeruht begann ich meine
ritualisierte Vorbereitung: Startnummernband fixieren, Brustwarzen
abkleben, die so empfindlichen Stellen mit Vaseline absichern und, und,
und...
Ich schlenderte zur Coque und musste feststellen,
dass die Schilder für die Kleiderbeutelabgabe nicht mehr da waren, wo
ich sich am Vortag noch ausgemacht hatte... Aber auch hier war keine
Panik nötig, ein nettes Pärchen im orangefarbenen Dress des
Titelsponsors half mir mit dem bekannten charmanten Lächeln weiter. Und
siehe da, plötzlich sah auch ich die richtungsweisenden Schilder und
übergab mein Säckchen. Wer wie ich vor dem Start noch einmal ein
dringendes Bedürfnis verspürt, kann sich dem in Luxemburg an den
wirklich zahlreichen Möglichkeiten ohne größere Wartezeit entledigen.
Hut ab, auch hierfür ein großes Lob.
Rechtzeitig ging ich meinen Startblock B. Hier
sollten die Läufer mit einer Zielzeit von 3:00 bis 3:30 starten, sowie
die schnelleren Halbmarathonläufer. Auf der Startnummer war der
jeweilige Block aufgedruckt und man kam auch nur dort gegen Vorzeigen
herein. Was ich dann sah, wunderte mich dann aber doch: innerhalb der
gesamten Startzone gab es keine weiteren Absperrungen, so dass fleißig
von Block C, D, E usw. in unseren Block aufgerückt werden konnte. Na das
konnte ja ein heiterer Start werden, wo ich doch für meine Planung eh in
einem unpassenden Startblock stand. Ich ging noch ein paar Meter weiter
nach hinten ans Ende meines Blockes und setzte mich in den Schatten.
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Zeitgleich zum
Marathon wurden in Luxemburg auch der Halbmarathon und ein Team-Run
(Staffelmarathon) gestartet. Die Halbmarathonis erkannte man prima mit
dem entsprechenden Schild auf dem Rücken, ebenso die Team-Run-Läufer.
Was sich nun beim Start und während der ersten Kilometer abzeichnete,
lässt sich nicht oder nur schwerlich in Worte fassen.
Hier kommt es nun zu einer nicht so glücklichen
Erfahrung beim Luxemburg-Marathon: Bei einem Start zu einem großen
Rennen bzw. einem Großevent ist man ja schon einiges gewohnt, hier wurde
es allerdings noch um Weiten übertroffen: Das absolut rücksichtslose
Verhalten insbesondere der Halbmarathonläufer (war ja sehr gut zu
erkennen) mit ihren bulldozerähnlichen Zweikampfgebaren war nicht nur
nervig und ärgerlich, sondern in erster Linie hochgradig
verletzungsträchtig. Wie von einer Tarantel gestochen kamen haufenweise
"Läufer" von hinten und den Seiten, nutzen jeden Zentimeter den man
betreten konnte, um ja einen Platz vor einem in dem Gedränge zu laufen
und dokumentierten dies mit vollem Ellenbogeneinsatz und martialischem
Blick.
Wenn es sich dabei wenigstens um Läufer gehandelt
hätte, die tatsächlich um vordere Plätze mitlaufen sollten, hätte ich ja
noch ein gewisses Verständnis aufgebracht, hier handelte es sich, wie
sich einige Kilometer später herausstellte, zu einem großen Teil um
Hobbysportler, die ihre persönliche Leistungsfähigkeit völlig
überschätzt und die Streckenbedingungen mit seinem anspruchsvollen
Profil und die sommerlichen Temperaturen gänzlich unterschätzt haben. Es
passiert mir als Sportlehrer höchst selten, aber da konnte ich mir ein
verschmitztes Lächeln nicht verkneifen, als ich die ersten Laufleichen
nach bereits fünf (!!!) Kilometern wandern oder über eine Brüstung
gelehnt stehen sah...
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Vielleicht sollte der Veranstalter sich
diesbezüglich eine andere Lösung überlegen, einen Fehler gestehe ich
aber dennoch ein: ich hätte einfach noch weiter, ans Ende des Feldes
gehen sollen. Im späteren Verlauf des Marathons - lange als sich die
Wege vom Halben und Marathon ab Km 17,8
trennten - konnte ich in Erfahrung bringen, dass
es nicht nur mir alleine so ging. Ab der Trennung war mit einem Male
entspanntes Laufen "miteinander" möglich, es wurde auf multikulturelle
Art in verschiedensten Sprachen miteinander gesprochen und gescherzt,
solange bis das Streckenprofil jeden in sein eigenes Schicksal entließ.
Bis es dazu kam
führte uns die Strecke vom Start um die Coque herum über das weite
Kirchberg-Plateau, womit bereits geklärt ist, dass es erstmal leichte,
aber ständig wiederkehrende Anstiege zu bewältigen galt. Ich wählte, als
ich endlich aus dem größeren Gedränge heraus war, ein lockeres Tempo
immer so um 5:15 min/km. Schatten war hier zu Beginn und auf den
folgenden 10km nahezu Fehlanzeige, hier galt es bereits ein paar
Ressourcen zu schonen. Aber eines war ja klar: es wird gegen Abend immer
kühler, obgleich die Strecke für mein Empfinden immer anspruchsvoller
wurde.
Nach dieser ersten Schleife durch das moderne
Banken- und Finanz-Viertel führte der Weg geradezu in die City von
Luxemburg herunter. Hier wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass wir DAS
heute am späteren Abend von Km 37 bis Km 39 auch wieder hinauf müssen...
An den Toren der Innenstadt bei der Philharmonie
angekommen, tobte der Bär. Unglaublich welche Menschenmassen auf so
engem Raum so eine Stimmung verbreiten konnten. Mich erinnerte das
natürlich an einige Passagen des Hamburg-Marathon, aber auch die
berühmt-berüchtigten Menschengassen beim Köln-Marathon sind hier
vergleichbar. Eigentlich gab es diese Stimmung immer, wenn die Strecke
uns in die unmittelbare City mit ihren Fußgängerzonen und Parks führte.
Dazu ein wahres Festival an Samba-Bands, die rhythmisch die genau
passende Unterstützung der Massen boten. So machte der
Luxemburg-Marathon natürlich richtig Spaß!
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Es gab aber auch
Phasen, in denen es geradezu menschenleer war und wo es durch das immer
wieder ansteigende Profil einen Kampf mit den eigenen Kräften und dem
inneren Schweinehund gab. Mit ein wenig Stolz kann ich hier bereits
verraten, dass DER mich auch heute nicht in die Knie zwingen konnte.
Die Strecke führte uns immer wieder aus der City
hinaus - sorry: hinauf - in die Randbezirke, nach dem Kirchberg-Plateau
dann nämlich über die Stadtteile Limpertsberg (Km 11 bis Km 15), nach
Belair (Km 19 bis Km 22) sowie Hollerich (Km 24 bis Km 30). Nun gut,
wenn es bergauf geht, dann geht es auch wieder herunter. Soviel steht ja
nun mal fest, aber bergab mag mancher Marathonläufer rein gar nicht,
immer mit der Angst, sich einen feinen Krampf einzuhandeln. So habe ich
auch heute viele Läufer gesehen, die bereits frühzeitig pausierten,
gingen, sich dehnten oder gar humpelten. In den späteren Ergebnislisten
konnte ich herauslesen, dass etwa 100 Marathonläufer diese Distanz heute
nicht beenden konnten. Ich war froh, gut vorbereitet und mit dem nötigen
Respekt in diesen Lauf gegangen zu sein und nicht zu den DNF zu gehören.
Allen denen wünsche ich eine schnelle Regeneration und hoffe, dass nicht
eine Verletzung Grund des Aussteigens war.
Ich wusste einfach, dass ich diesen Marathon
finishen werde. Meine moralische Unterstützung in Form eines Kusses
meiner Frau und eines Lachens meines kleinen Stinkers wartete im
Stadtpark wie verabredet bei Km 16 gleich zweimal auf mich. Herrlich
dieses natürliche Doping.
Danach kam die schon beschriebene Trennung von
den Halbmarathonis bei Km 17,8 auf dem Place Guillaume II, auf die auch
rechtzeitig durch Schilder aufmerksam gemacht wurde.
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A propos Beschilderung: Ich hätte mir gewünscht,
dass auf die nahenden Verpflegungsstellen, die wirklich gute Arbeit
geleistet haben und zahlreich auf uns Läufer warteten, zumindest auf den
ersten 18 km frühzeitig mit einem Schild hingewiesen worden wäre. Es gab
dort eine gute Vielfalt an Erfrischung, von Wasser über
kohlenhydratreiche oder isotonische Getränke sowie diverse Riegel und
Bananen und immer wieder dieses charmante Lächeln der luxemburgischen
Helferinnen und Helfer. Leider kamen diese Streckenversorgungsposten
aber im laufenden Pulk derartig plötzlich, dass man zusehen musste nicht
daran vorbei zu laufen.
Es wurde langsam
dunkler und immer kühler. Im Grunde ab Kilometer 30 das beste
Laufwetter. Wenn einem die Strecke nicht schon so viele Körner geraubt
hätte... Es ging erneut, aber diesmal bei Laternenbeleuchtung und
Festzeltstimmung durch die kleinen Gassen
nördlich des Bahnhofes. Immer mit der Gewissheit "es ist nicht mehr
weit, aber es geht noch böse bergauf zur Coque" lief ich meinen Schnitt.
Und den dann doch ziemlich konstant. Immer so um die 27 bis 28 Minuten
für 5 km.
Wenn es nicht so Kraft raubend gewesen wäre,
hätte man meinen können, einen malerischen Lauf bei Nacht durch die
Innenstadt, teilweise mit Kopfsteinpflaster, vorbei an den gedeckten
Tischen der Restaurants und Bars in der Fußgängerzone zu zelebrieren,
die Zuschauer jedenfalls machten daraus ein besonderes Erlebnis. Dann
die Brücke der Wahrheit. Es geht zum finalen Anstieg zur Coque. Meine
Beine signalisierten eindeutig ihren Missmut gegenüber meinem Vorhaben,
mein Wille siegte wohl: ich laufe, schaue auf den Boden, laufe, schaue
in das Publikum, ich laufe, wage einen Blick in die Augen meines
momentanen Mitstreiters und laufe diese gefühlt niemals endende Brücke
mit der einem ewig lang vorkommenden Avenue JF Kennedy hinauf. Dann
endlich ist sie zu sehen: Die Coque !!!
Ich laufe um die Kurve und ich erkenne meine
Familie! Was für ein Endorphinschub, ein Kuss, ein Drücken, ein Knuddeln
des Stinkers und weiter geht's. Ich habe nicht all zuviel Zeit auf der
Brücke liegen gelassen, es ist noch eine Zeit um 3:55 Std. drin.
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Jetzt hat sich der Veranstalter aber etwas
besonderes überlegt: Zwar gibt es hier an der Coque einen weiteren
liebevollen Erfrischungsstand bei dem ich noch einen Schluck Cola
aufnehmen durfte, aber der Hammer ist: Es sind noch 3km !!!
Diese führen uns erneut (fast) demoralisierend in
Richtung Kirchberg hinaus um uns Läufer dann allerdings mit einem
letzten schnellen Kilometer zur Coque zurück das Finale zu genießen zu
lassen. Ein Blick auf die Uhr sagt mir: jetzt aber fix, um noch unter
3:54 zu bleiben, die habe ich nämlich schon... Schlussoffensive, die
Matte bei Km 42 vor der Halle, die Kurve zur Halle, sehr eng genommen,
ein kleiner Stolperer, weiter, durch das Tor in diese Wahnsinnshalle mit
Mörderstimmung, Lichtorgel, Musik und Nebelkanonen. Noch ein paar Meter,
das Tor mit der Digitaluhr nicht mehr weit, habe ich gerade meinen Namen
gehört ? Egal, ich kämpfe mit den Tränen, reiße die Arme hoch und bin im
Ziel! Gänsehaut. Medaille überreicht bekommen mit einem charmanten
Lächeln.
Ich nehme mir eine Flasche Wasser, versuche noch
etwas Stimmung aufzunehmen und verlasse zügig die Halle. Frische Luft
ist mir jetzt wichtiger. Nach ein paar Minuten der Besinnung kehre ich
noch mal zurück in die Halle und bin überwältigt.
Gänsehaut, aber diesmal beginne ich zu frieren,
trotz überreichter Folie.
Ich hole mir meinen Beutel ab und gehe zu den
Duschen. Auch dieses war ein wahres Erlebnis multikultureller Natur.
Glückliche Menschen kommunizieren wie auch immer in einer Mischung der
verschiedensten Sprachen und Dialekte. Ein wunderbarer Lauf geht
glücklich zu Ende. Danke, dass ich ihn so erleben durfte!
Danke für’s Durchhalten beim Lesen,
Karsten
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