„ROSE-Marathon in Minden" am 11. Juni 2006



Es war Ende Februar, als ich während meiner Vorbereitung zum Hamburg -Marathon krank wurde und fast vier Wochen ausfiel. In dieser Zeit habe ich mich nach einem schicken Landschaftsmarathon umgeschaut und erinnerte mich an ein Gespräch mit einem Camper aus Minden.

Sogleich nutzte ich den Frühbucher Rabatt und eine Promo-Aktion von Mika Timing (ChampionChip) zur Anmeldung zum ROSE-Marathon.

Meinen nicht ganz glücklichen Verlauf des Hamburg-Marathons im Hinterkopf, sollte dieser Lauf eine Art Wiedergutmachung werden, versprach mir aber selber zugleich aus den Hamburger Fehlern zu lernen. Als während der vergangenen Woche der Wetterbericht Temperaturen um die 30° C für das Zielgebiet Minden - Porta Westfalika - Bad Oeynhausen voraussagte, war schlichtweg Ankommen in passabler Zeit um die 4:00 das Ziel.

Am Samstag morgen machte ich mich dann mit meiner kleinen Familie und dem Wohnmobil auf den Weg gen Süden. Im Verlaufe des Vormittags wurde es schon immer wärmer und wärmer, was mir schon einen kleinen Vorgeschmack auf den Sonntag geben sollte...
In Porta Westfalika bei ROSE Systemtechnik sind wir gegen 13:00 Uhr angekommen. Uuups das sollte auch etwa die Zeit sein, in der ich tags drauf im Ziel sein wollte... Na egal, bei ROSE habe ich meine Startunterlagen abgeholt und war bereits total begeistert von der Herzlichkeit und der super Organisation. Die Preise für so typische "Läufer-Souvenirs" waren gegenüber einem Stadtmarathon wie Berlin oder Hamburg als herzlich willkommen anzusehen, ich zahlte schlichtweg die Hälfte!

Wir übernachteten auf einem WOMO-Stellplatz auf der gegenüberliegenden Weserseite. Zum Start waren es etwa 10 Minuten Fußweg, hervorragend ausgeschildert. Das Ziel sollte im Weser-Stadion sein - und ich kann es vorwegnehmen - ein herrlicher Ort für den Zieleinlauf

Leider habe ich in der Nacht vor dem Lauf nicht all zuviel geschlafen, mein Kleiner (6 Monate) musste die ganzen aufregenden Erlebnisse sowie die ungewohnte Umgebung und die Wärme irgendwie lautstark verarbeiten... Vielen Dank noch einmal an seine liebe Mami, die das in die Hand genommen hat und viiiiiiiel Beruhigungsenergie aufbrachte

Am Sonntag habe ich mich nach einem leichten Frühstück und den üblichen Anzieh- und Vorbereitungsritual auf den Weg zum Start vor dem Preußen-Museum gemacht und mit vielen netten Läufern geklönt. Am Start selber lief es auch familiär zu, eine tolle Stimmung unter den knapp 600 Läuferinnen und Läufern. Die Temperatur war zu diesem Zeitpunkt schon bei 20° C

Um 9.00 Uhr war Startschuss. Das Feld setzte sich Richtung Mindener City in Bewegung, der erste Kilometer ging auch gleich mit 5:30 genau wie geplant weg. In der Fußgängerzone war Kopfsteinpflaster, "Prima Vorbereitung auf den Köln-Marathon" dachte ich...
Die Sonne stand schon jetzt erstaunlich hoch, die Häuser und Alleen spendeten aber genügend Schatten. Ein angenehm schöner Lauf heute morgen... Die nächsten Kilometer schwankten immer zwischen 5:30 und 5:25 und es bildete sich eine nette Gruppe von Läufern, die sich diesem Tempo annahmen.

Diese Westfalen sind schon ein nettes Völkchen, immer ein kleiner Plausch und die Zuschauer am Rande waren hoch motivierend. Im Mindener Stadtgebiet sowie in Porta Westfalika waren sie natürlich stärker frequentiert als in freier Wildbahn und professionelle Sambarhythmen waren auch zu hören.

Kurz vor Kilometer Zehn (0:55:00 h) habe ich den Weihnachtsmann überholt. Ehrlich !!! Der ist tatsächlich in voller Kutte gelaufen mit angeklebtem Bart und Kapuze. Total crazy, aber er hat es auch geschafft... Er kam wohl so ne halbe bis dreiviertel Stunde nach mir ins Ziel --> Respekt !

Also die ersten 10 voll im Plan, dann konnte ich ja Phase zwei einläuten: Das Tempo leicht verschärfen, das Wetter ließ es noch zu... Ganz schnell nahm ich allerdings wieder einen Gang raus, nach 5:15er und 5:10er Schnitt mussten Seitenstiche erstmal weggeatmet werden. Ich hielt mich dann weiter an den 5:30ern fest, der Klügere gibt nach...

Vorbei ging es durch landschaftlich schöne Feldmark am Kaiser-Wilhelm-Denkmal Richtung Weser, aber auch schnell noch mal am Werk des Namensgebers dieses Marathons, der ROSE Systemtechnik vorbei. Ein wirklich schöner Lauf bis zu diesem Zeitpunkt, tolles Klima unter den Läufern, herrliche Ausblicke auf die Natur.

Etwas später:

"Das ist der letzte Schatten für eine ganz lange Zeit !!!" sagte mein Laufpartner kurz vor erreichen der Halbmarathonmarke. Diese passierten wir bei 1:55 h und ich fühlte mich beängstigend fit. Null Schmerzen und keine konditionellen Einbußen zu diesem Zeitpunkt. PRIMA

Irgendwann kam das Gerücht auf, dass es eine Passage von etwa 8 km geben soll, wo es keine Wasserstelle unterwegs gibt... Ich sparte also zwei Trinkfläschchen in meinen Gurt für diesen Ernstfall auf, der aber glücklicherweise nicht eintrat... Ich lief dennoch jetzt jede Verpflegungsstation an, die Temperaturen stiegen und stiegen, der Asphalt auf der Strecke reflektierte die Wärme, die Steigungen die in Wirklichkeit wohl keine wirklich erschreckenden sind wurden zunehmend brutaler und die einzelnen Kilometer immer länger... Da endlich:

Kilometer 31 ! Hier stieg ich in Hamburg aus, "Pah !!!!!", sagte ich und weiter ging's - äh lief. Von hier an mehrten sich Anblicke von nicht mehr schön anzusehenden Laufstilen und so einige Kollegen, die sich ihren Mageninhalt noch einmal durch den Kopf gehen ließen. Zum Glück nutzen sie die Büsche und kotzten nicht auf den Weg. Vermehrt wurden jetzt auch die Rettungssanitäter aktiv. Ich behielt unterdessen immer meinen Puls unter Beobachtung und checkte umso häufiger, ob schwarze Punkte meinen Durchblick trüben sollten, war aber glücklicherweise Fehlanzeige und der Puls lagt bei maximal 178 bpm. Dennoch merkte ich wie die Hitze und die Sonne pur über mindestens 10 Kilometer ohne Schatten an mir und meinen Kräften nagten. Gerne ging ich ein paar Meter an den liebevollen und stets motivierenden Verpflegungsstationen, wo die Läufer mitunter sogar namentlich zum Durchhalten beschworen wurden. Im Zweifinger-Suchsystem wurde die Startliste gescannt und dann im Chor "Karsten, DU schaffst das - Halte Durch, Karsten, Karsten !!!" gerufen. Klasse !!!

Die Temperaturen sollen hier im Schatten (den wir auf der Strecke ja nur vom Vorläufer kannten...) schon bei 28° C gelegen haben --> aber ich hatte noch knapp 10 Km vor mir.

Ich rechnete aus: von hier an ein 6:00er Schnitt reicht für SUB 4... Es wurde heißer und heißer, und wir kamen durch ein kleines Dorf. Kilometer ? Kein Plan, vergessen - ich wusste nur, dass ich jeden einzelnen verdammten Kilometer jetzt rückwärts zählte. Verpflegung, Wasser, Klasse !!! Und dann der Anwohner mit der Gardena- Dusche !!! Herrlich !!!
Auf Wunsch machte er jeden nass

Hielt nur nicht lange vor, ich war schnell wieder Trocken... Kilometer 39 - noch drei... Es wurde knapp mit der SUB 4, ich verlor zuviel Zeit beim Wassertrinken... Aber egal - ich wollte dieses Ding nur noch "locker" nach Hause laufen.

DA !!!

Kilometer 40 steht meine Frau mit meinem Kleinen. Sie gibt mir ihr Cappy (ich bin bis dahin ohne gelaufen) und den Tipp, dass da gleich ein Berg kommt... "Uuurggs !!!" dachte ich, nahm noch einen Schluck Wasser und bog um die Ecke.

"SCH... !!! Eine Autobahnbrücke !!!"

Ein, zwei Läufer sammelte ich noch ein bevor ich es den anderen nachmachte: ich ging die 200m besser... Mann, wenn ich daran zurückdenke, eine Autobahnbrücke, nicht mal steil, hör mal wo kommen wir denn da hin, ich bin letztes Jahr den Brocken im Harz hochgetobt, da sollte doch ne Autobahnbrücke drin sein ? Nix da, war aber auch gut so... Ein Blick auf die Uhr, Puls gut, Zeit wird eng --> na denn mal los !!!
Ich zog mit gefühlter Geschwindigkeit rasend schnell im 6:00er Schnitt am 41 Km-Schild vorbei und erreicht dann endlich das Stadion bei Km 42...

Komm, Karsten noch ne halbe Runde im Stadion, booh war ich geblendet von der roten Tartan-Bahn. Ich hörte den Stadionsprecher rufen: "Diese Läufer können es schaffen, noch unter vier Stunden zu bleiben und er rief deren Namen... erst einen Moment später meinen "und aus Hamburg kommt mit der Startnummer ...." Ich drehte noch mal auf und finishte mit erhoben Armen in 4:00:18 h. Geschafft !!!

Die Hitzeschlacht war gewonnen. Und das in einer prima Zeit für die Verhältnisse. Ich bin total zufrieden

Ein toller Lauf, wenn man ihn von der Strecke her, von der Herzlichkeit der Läufer und Stimmungsmacher sowie von der perfekten professionellen Organisation betrachtet. Da komme ich gerne wieder... Bei etwa 10 Grad weniger

Liebe Grüße,
Karsten