1. Rügenbrückenmarathon
Stralsund, Rügen am 18. Mai 2008
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Es war ein herrliches Wetter in der Woche mit Temperaturen um die 24° C. Da kam ein verlängertes Wochenende an der See ganz recht. Gebucht hatte ich diesen Marathon bereits vor Monaten, weil ich wusste, dass sich dieses Event hervorragend mit den Hamburger Schulferien verbinden ließ. Und da ein Premierenmarathon immer etwas Besonderes hat, war die Sache klar.
Das Besondere an diesem Marathon ist mit Sicherheit die erst 2007 fertig gestellte Rügenbrücke mit ihrem markanten „Anstieg“ bis zu den Pylonen und einer Gesamtlänge von knapp 4 Km, welche in der Regel nur dem motorisierten Verkehr gegönnt ist. Hier nun die Ausnahme, die Autos mussten draußen bleiben...
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Aber mal der Reihe nach. Freitagmittag
Abfahrt aus Hamburg, „Go East“ war die Devise. Die Fahrt verlief
reibungslos und nach gut drei Stunden standen wir im Hafen von
Stralsund. Ein traumhafter Anblick vom Yachthafen auf das zu
bewältigende Objekt und den Sund. Auf der gegenüberliegende Seite die
Insel Rügen mit dem Hafen von Altefähr.
Die Startunterlagen konnte ich im Informationszentrum für das neue, im Bau befindliche Ozeaneum abholen. Liebevoll wurde ich dort mit meiner Familie begrüßt, erhielt mein kleines Täschchen, mein „Rügenbrückmarathon-Polo-Shirt“ und ein Baseball-Cap. Nach zwei Fischbrötchen und einer Portion Fish&Chips nutzen wir den Nachmittag noch für die Weiterfahrt nach Rügen. Der Samstag diente zur Entspannung. Ein paar Stunden am Strand bei mittlerweile leicht bewölktem Himmel und nicht mehr ganz so hohen Temperaturen stimmten mich auf den Lauf ein, gegen Nachmittag begann der große Regen. Wir machten und auf den Weg zurück nach Stralsund, begutachteten aber mit dem Hafen von Altefähr noch etwas Laufstrecke und verfolgten den grandiosen 7:0 Erfolg des „HaEssVau“ gegen Karlsruhe im Radio...
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Zu den Startunterlagen gab es vom Veranstalter Bons für die Pasta Party. Diese fand in einem Festzelt auf der Hafeninsel statt, an der auch die alte „Gorch Fock“ festgemacht hat. Hier soll morgen der Start und das Ziel des Marathons, aber auch vom 10km Lauf und Kinderläufen sein. Für Walker wird es dann auch die Möglichkeit geben sich sportlich zu betätigen, um die Rügenbrücke zu erklimmen. Das Wetter machte den Organisatoren an diesem Vorabend einen Strich durch das gut gedachte und geplante Programm. Die Nudeln waren reichlich und lecker und die verschiedensten Läufer in bester Klönstimmung, die Party aber fiel sprichwörtlich ins Wasser. Der Wetterbericht sah aber für den Marathon-Tag wieder gut aus und als ich am Morgen aus dem Fenster unseres WoMos blickte, strahlte mich die Sonne mit ihrem blauem Himmel an. Regen hat doch etwas Gutes, die Temperaturen sind etwas gefallen, vorerst...
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Es begann für mich an diesem Morgen das all-marathonische Ritual mit dem Verarzten der doch so empfindlichen Stellen, dem Fixieren des Startnummerbandes und so weiter. Ich machte noch schnell das Fahrrad meiner Frau samt Kindersitz klar und mich dann mit Sack und Pack auf den Weg zur „Gorch Fock“ in den Hafen. Eine tolle Stimmung herrschte hier und schon wurde ein Kinderlauf über 2km gestartet. Just in time war ich am Start, noch ein kleines Erinnerungsfoto mit Segelschiff und Rügenbrücke und dann der Abschied vom Anhang. Mit etwas Verspätung wurde der Marathon um 10.30 Uhr gestartet. Nach ein paar Sekunden war ich bereits über die roten Matten des Zeitnehmers gelaufen und es ging raus in Richtung Brücke. Zunächst aber erstmal durch den Hafen. Achtung Schienen, dazu noch eine nicht übersehbare Großbaustelle, Kopfsteinpflaster, die nächste Baustelle. Druck auf der Blase. Na das lief ja gut an! Ich habe nicht zuviel Zeit verloren, angetrieben von den netten Worten eines Läufers, mit dem ich schon vor zwei Wochen beim Luxemburg-Marathon ein kleines Schwätzchen gehalten habe. Wie klein doch die Welt ist! Schnell waren wir auf dem Zubringer zur Brücke und dann der doch nicht so stark wie befürchtete Anstieg. Man munkelte von 4%. Oder war ich einfach nur sehr motiviert und gut drauf? Ich weiß es nicht, aber hielt so einen Schnitt von 5:15 min/km. Am Scheitelpunkt angekommen genoss ich den Ausblick auf den „Strelasund“ und posierte für ein Foto |
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Unspektakulär ging es nun wieder brückab, das Tempo wurde natürlich angezogen, ich ließ es rollen. Hier ging es natürlich auch: Herrlichster Asphalt ohne Stolperfallen, ein seltener Genuss, wie sich später herausstellen sollte. Direkt hinter der Brücke kam nach genau 6 km die erste der vielen Verpflegungsstellen. Etwas überrascht war ich, und böse Gedanken an Magenkrämpfe kamen hier schon in mir auf, als ich Mineralwasser mit Sprudel vorfand... Nun denn, „watt mutt datt mutt“, runter das Zeug. Die Strecke führte uns nun herauf und auch wieder hinab nach Altefähr. Der Weg wurde zusehends schlechter, die wellige Straße aus Kopfsteinpflaster löste sich mit Trampelpfaden und Sandwegen ab. Dazu kamen nachdem wir die Ortschaft durchquert hatten, die bekannten Betonplatten aus ehemaligen Zeiten. Nur heute nannte man es Radwanderweg. Ich will hier nicht zu negativ schreiben. Warum auch. Der Parcours machte irgendwie Spaß, man musste sich höllisch konzentrieren, um nicht an den vielen Schlaglöchern umzuknicken oder auf den Trampelpfaden mit einer Breite von vielleicht 40cm zu stolpern. Entschädigt wurden wir Läufer durch blühende Rapsfelder soweit das Auge reicht und eine leichte Brise vom Meer. Auch hier hielt ich meinen Schnitt von knapp unter 5:00 min/km, alles Bestens, ich hatte richtig Lust zu Laufen! |
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Schnell zogen die Kilometer an einem vorbei, der eine oder andere vielleicht zu schnell, alles in allem stimmte aber die Distanz mit meinem Garmin überein. Die sporadisch am Rand stehenden Zuschauer waren mit Sicherheit Anwohner und sie unterstützen die Läufer so gut sie konnten. Auch die Radfahrer, die rücksichtsvoll unsere Laufveranstaltung akzeptierten und uns den Vortritt ließen taten, was sie konnten. Ein ganz großes „Danke schön“ an die vielen Helfer, insbesondere die des THW und der Feuerwehr. Ohne ihre Mitarbeit wäre dieser Lauf nur die Hälfte wert gewesen. Immer wieder gab es Streckenposten, um uns Läufern den rechten Weg zu weisen. Zwar gab es regelmäßig Markierungspfeile und Hinweisschilder, manchmal war eine zeigende Hand mit einem dazu gehörigem freundlichen Lächeln aber auch einfach schöner und motivierender. Nach gut 20km kam mir der spätere Sieger entgegen. „Wow, gutes Tempo“ dachte ich noch so bei mir und unkte mit meinem temporären Laufpartner. Da es sich bei dieser Strecke um eine Wendepunktstrecke handelte, freuten wir uns schon demnächst – zumindest mental – dem Heimweg antreten zu dürfen. Gegen Halbmarathon schaute ich auf die Uhr, plötzlich unter 1:45 Std. Da konnte etwas nicht stimmen, ich nahm es aber gerne so hin. Später stellte sich heraus, dass ich den ersten HM wohl in etwa 1:48 Std. gelaufen bin, das Schild wurde bestimmt über Nacht verrückt... Ich war dennoch hoch zufrieden bis dato. Endlich die Wendemarke bei etwa Kilometer 22. Zwei ehrenamtliche Helfer markierten unsere Startnummer mit einem grünen Punkt, womit sichergestellt war, dass wir auch die ganze Strecke gelaufen sind. Nun gut, schwarze Schafe gibt es immer, aber wer bitte meldet zu einem Marathon, um sich dann selber zu betrügen? Aber so war es auch gut. Auf etwas modifizierter Route ging es nach einer kurzen Zeit der Begegnung mit dem nachfolgenden Feld wieder zurück Richtung Meer. Bei Kilometer 25 nahm ich mein zweites Power Gel zu mir, ich wählte dieses mal eine „Dreistoppstrategie“. Und ich lief gut damit. Nicht so gut lief ich allerdings zwischen Kilometer 26 und 29. Zum einen begannen die Zweifel, dieses Tempo durchhalten zu können, die Schenkel wurden auch zusehends härter und das Geläuf wurde mieser und mieser. Die Sache bekam so langsam einen Crosslauf-Charakter. Eine Mondlandschaft mit Kratern ist aalglatt gegen diesen Feldweg. Zwischenzeitlich habe ich den Streckenbastler verflucht, erst recht für meine überflüssigen Ausweichmanöver. Über die Krater zu springen wollte ich mir und meinen Knochen dann doch nicht mehr antun, wahrscheinlich hätte es eh nur für einen Sprung noch gereicht... Ich blickte mich um, hinter mir ein riesiges Loch zum nächsten Läufer, vor mir auch gut und gerne 200m. Na bitte, ich hatte wieder ein kurzfristiges Ziel vor Augen, welches mich über die Beschaffenheit der topographischen und geographischen Verhältnisse hinweg half. Kurz vor Km 29 war die Qual vorerst beendet, ich lief in ein Dorf, dessen Straßenverhältnisse einfach mal als göttlich zu beschreiben war. Nun gut, es handelte sich hier auch um gepflasterten Feldweg, der in die Panzerplatte mündete, aber alles war besser als das davor. Hier traf ich dann auch mein kurzfristiges Ziel an der Verpflegungsstation. Wir wechselten das eine oder andere Wort und weiter ging’s Richtung Wasser. Der nun zu belaufende „Radweg“ war ja bereits durch den Hinweg bekannt, ich konnte hier auf eine Gruppe auflaufen, mich kurz an sie hängen und dann überholen. Direkt am Wasser ging es weiter und wir wurden tatsächlich durch einen atemberaubenden Blick auf die Silhouette vom Welterbe der Hansestadt Stralsund entschädigt. Das war auch bitter nötig, denn die Berg- und Talfahrt ging weiter, kurze knackige Anstiege und mit einigen Stolperfallen gespickte Senken machten manchen Läufern arge muskuläre Probleme. Ich testete ebenfalls meine Leidensfähigkeit. Und meinen Willen. Zwar hatte ich bereits vor einigen Kilometern eine Zeit um 3:30 begraben, es war aber immer noch eine persönliche Bestzeit drin und die ersehnte 3:3x:xx Std. Also Popo zusammenkneifen und weiter – so war der Plan. Mit mir ein Läufer aus Berlin. Wir zogen und gegenseitig. Das war klasse. Es ging durch ein kleines Waldstück. Rechter Hand konnte man lange Zeit schon das Ziel sehen, na gut erahnen, hier im Wald war es angenehm kühl. Ich tankte mental etwas auf und wusste, dass Altefähr nicht mehr weit sein kann. Und in der Tat, einen fiesen Hügel (den wir zum Glück umlaufen haben...) später war bereits die Hafenanlage zu sehen, dann die ersehnte Verpflegungsstation. |
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Schnell habe ich mein letztes Energie-Gel aus der hinteren Hosentasche gezogen und mit Sprudelwasser herunter gespült. Weiter im Text, mein Berliner Kumpel hat sich schon vom Acker gemacht. Es ging wieder bergauf... Kopfsteinpflaster. Keine Auswege auf einem Bürgersteig möglich. Ich kämpfte und redete mir immer wieder ein, locker laufen zu wollen. Ich versuchte gerade hier die Arme besonders mit einzusetzen. Wie auch immer, irgendetwas musste mich halt davon ablenken, dass wir die Hafenanlagen hinter –ääääh unter und ließen. Eine Kurve weiter kam plötzlich der Himmel auf Erden. Die Straße (!) wurde traumhaft belaufbar und ich erblickte meine Familie. Das war ein Endorphinschub erster Güte, es ging zwar noch irgendwie hoch glaube ich, aber ich flog den Beiden nahezu entgegen. Wie in Luxemburg vor zwei Wochen haben sich die Beiden zu einer Musikband gesellt und gerade mein Kleiner hatte hier seinen vollen Spaß. Klasse. Diesmal nahm ich mir aber keine Zeit, schließlich war immer noch eine Bestzeit drin. Der Weg aus Altefähr hinaus wurde wieder beschwerlich, endete aber nach zwei drei kurven auf Asphalt und führte uns zum alten Rügendamm. Noch vier Kilometer. Ein Blick auf die Uhr verriet: „Jupp, wenn nicht noch eine Verletzung oder ein Hammermänchen kommt, dann pack ich’s“. Ich schloss wieder zu meinem Berliner auf. Das tolle Gefühl wurde allerdings kurzfristig unterbrochen, als eine Läuferin nahezu schwebend und leichtfüßig hüpfend uns überholte und schier dort zurück ließ...
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Sie durfte es aber, sie lief aufs Damentreppchen, meinen herzlichen Glückwunsch. Wo nahm die nur die Kraft her? Mein Berliner Laufgenosse und ich sammelten zumindest das an Kraft noch zusammen, was wir finden konnten und machten uns über den Damm und die letzten Kilometer. Plötzlich war er weg, vor mir: 20 – 30 Meter. „Na gut, lass ihn ziehen“, sagte ich mir, er hat mir so geholfen, immer wieder heranzukommen, ein Ziel zu bieten, dann darf der das! Ich blieb in meinem Rhythmus und das war auch gut so... Noch 200m. Zwei Kurven, über eine Brücke, die alte „Gorch Fock“ fest im Blick, dazu die Menschenmenge. Und: Die Gasse aus Cheerleadern... Was bitte will man mehr, wenn für einen alleine beim Zieleinlauf die „LaOla“ auf so attraktiv charmante Art zelebriert wird ? Ein herrliches Finale, ich glaube ich hörte bei dem tosenden „Lärm“ meinen Namen, genoss die letzte Kurve, spürte die rote Matte, das Ziel-Tor. Geschafft !!! Ich drücke die Stoppuhr und reiße die Arme hoch, persönliche Bestzeit um sechs Minuten verbessert, nach 3:37:28 Std. als Altersklassendritter (!) die Ziellinie passiert. Ich war überglücklich, kämpfte mal wieder, nur diesmal mit den Tränen und verlor. |
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